Hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation in der sich heutzutage viele Pferdebetriebe befinden, wird es immer wichtiger für die einzelnen Betriebe sich durch ein gutes Angebot für Pferd und Mensch gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Viele Reitanlagen entsprechen heute nicht mehr den an sie gestellten Anforderungen hinsichtlich der Haltung der Pferde und dem Angebot für den Reiter in seiner Freizeit. Der Pferdefreund legt heute großen Wert auf die artgerechte Haltung seines vierbeinigen Freizeitpartners.
Zwar steht das Pferd seit 5000 Jahren unter dem züchterischen Einfluß des Menschen, in seinem Verhalten und hinsichtlich seiner Ansprüche an die Lebensbedingungen hat es sich jedoch nicht wesentlich verändert. Die Häufigkeit von Erkrankungen und Dauerschäden von Pferden lassen darauf schließen, dass diesen Ansprüchen nicht ausreichend entsprochen wird. Für die artgerechte Haltung der Pferde sollten einige grundlegenden Dinge der Pferdehaltung beachtet werden:
Unter naturnahen Bedingungen bewegen sich Pferde bis zu 16 Stunden am Tag. Um dieses zu gewährleisten ist für ausreichende Bewegung im Haltungssystem zu sorgen.
Pferde sind ihrem Wesen nach gesellige Tiere. Werden die Anforderungen, die sie als soziale Lebewesen stellen nicht berücksichtigt, so können Probleme im Umgang sowie Verhaltensstörungen entstehen. Kontaktmöglichkeiten zwischen den Pferden sind so frei zu gestalten, wie es der Haltungszweck zuläßt.
Der ursprüngliche Lebensraum der Pferde war die Steppe. Daher vertragen Pferde sowohl hohe auch als auch tiefe Temperaturen gut. Das Pferd verfügt über die Fähigkeit zur Thermoregulierung. Daher sollte die Stalltemperatur der Außentemperatur gemäßigt folgen. Da der hochspezialisierte Atmungsapparat der Pferde besonders empfindlich ist gegen Staub, jedoch unempfindlich gegenüber Wind und bewegter Luft müssen Frischluftversorgung und Luftzirkulation im Stall sichergestellt sein. Das natürliche Spektrum des Sonnenlichtes hat starken Einfluß auf den gesamten Stoffwechsel. Deshalb ist es wichtig, das Ställe ausreichen mit Licht entsprechen spektraler Qualität versorgt sind.
Jedes Pferd hat in der Gruppe seine der Rangordnung entsprechende Position. Es muß bei der Stallplanung darauf geachtet werden, dass auch rangniedrige Pferde zu ihrem Recht kommen und Rangkämpfe nicht provoziert werden. Da Pferde Fluchttiere sind ist darauf zu achten, dass bei plötzlichem Fluchinstinkt des Pferdes keine Verletzungen an vorstehenden Gegenständen etc. entstehen können.
Die Basis der Reitanlagenplanung ist der Zweck, für die die Anlage genutzt werden soll ( Pensionspferde, Zucht, Reitschulbetrieb, Urlaubsreiterhof etc.). Ein Angebot für den Reiter zur Ausübung seines Sports sowie für nichtreitende Begleitung ( auch Kinder) sollte vorhanden sein. Ebenfalls sind Aufenthaltsbereiche für den sozialen Kontakt in direktem Bezug zu der Reitanlage gewünscht. Auch Eltern, die Ihre Kinder zum Reiten bringen schätzen ein solches Angebot. Für theoretischen Unterricht und Lehrgänge ist ein Unterrichtsraum erforderlich.
Personalkosten machen einen beachtlichen Anteil der festen Kosten in einem Reitbetrieb aus. Daher sind bei der Planung gute arbeitswirtschaftliche Vorraussetzungen zu schaffen. Dieses bedeutet kurze Wege, sinnvolle Zuordnung der Arbeitsbereiche, hohe Mechanisierung etc. Eine sinnvolle Zuordnung der einzelnen Nutzungsbereich der Anlage ist absolut erforderlich.
Alle Überlegungen zum Bau oder zur Umnutzung oder Modernisierung einer Reitanlage müssen bereits in einer sehr frühen Phase der Planung einsetzen, eine spätere Nachrüstung ist in der Regel wesentlich aufwendiger. Auch eventuelle spätere Erweiterungen sollten schon früh mitüberlegt werden, damit diese in einem späteren Bauabschnitt zu verwirklichenden Maßnahmen harmonisch in das Gesamtkonzept passen und kostengünstig machbar sind. Bevor Baumaßnahmen in Angriff genommen werden, sollte für jede Reitanlage eine differenzierte Detailplanung vorgenommen werden.